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Grünes, regenreiches Malawi

Posted by on 25. März 2014

Bei unserer Ausreise aus Tansania läuft alles sehr einfach und unkompliziert. Den Ausreisestempel in den Reisepass und ins Carnet und ab über die Grenze zur malawischen Einreise. Dort werden Luka und Simon etwas genauer unter die Lupe genommen. Häufig glaubt man ihnen nicht, dass sie Kenianer sind, da sie von ihrem Aussehen eher für Äthiopier oder Somalis gehalten werden. So müssen sie dem Zöllner in einen separaten Raum folgen, wo ihnen mehrere Fragen gestellt werden. Danach ist aber alles in Ordnung und wir können passieren. Nervig sind die Versicherungsfritzen, die mir andauernd eine Versicherung fürs Auto aufschwatzen wollen. Da ich aber eine Comesa Card besitze und Malawi Bestandteil der abgeschlossenen Länder ist, benötige ich keine separate Versicherung. Es gibt eine lustige Vorschrift für Malawi, die auch wir befolgen müssen: Am Auto müssen vorne weiße und hinten rote Reflektoren angebracht sein. Ansonsten kann es bei einer Polizeikontrolle zu hohen Geldbußen kommen. Da ich keine Reflektoren zur Hand habe, nehme ich einfach etwas rotes und weißes Isolierband aus dem Werkzeugkoffer und klebe kleine Streifen vorne und hinten auf. Das ganze wird sogar mit einem Lächeln von der Polizei akzeptiert und bei keiner Kontrolle gibt es eine Reklamation.

Unser erster Stop soll in Livingstonia sein. Dieser kleine Ort liegt auf einem Plateau am Malawisee und bietet eine unbeschreibliche Aussicht. Hier wurde 1894 durch den Briten Dr. Laws eine Missionsstation gegründet, die ein Krankenhaus, eine Kirche, eine Primarschule und sogar eine Universität beinhaltet. Das Ortsbild ist geprägt von roten Ziegelhäusern mit blauen Dächern und einer davorliegenden Veranda. Auch heute noch ist der Stil und die Größe der Ortschaft erhalten geblieben und so kommt während dem Aufenthalt dort tatsächlich ein wenig Kolonialstimmung auf. In Livingstonia gibt es bis heute keine großen Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten. Ein paar einzelne Privatleute bieten Zimmer an und in der Nähe befinden sich zwei Campingplätze. Wir entscheiden uns für das „Mushroom Camp“, welches eine wunderschöne Aussicht auf den Malawisee bietet. Dazu gibt es überall Hängematten, kleine Hütten und Unterstände oder Aussichtplattformen. Sogar ein kleiner Fluss fließt mitten durchs Camp und stürzt dann an einer Kante in die Tiefe. In einer kleinen Hütte finden wir eine Feuerstelle und so entscheiden wir uns an diesem Abend in gemütlicher Runde am Feuer zu kochen. Es gibt Reis mit Kartoffeln und Kraut. Wir sind die einzigen Gäste. Im Hintergrund läuft an der Bar doch tatsächlich das komplette Pink Floyd Album „Animals“ durch. Das habe ich seit langem nicht mehr gehört und so genieße ich den Abend besonders, in aller Ruhe am Feuer mit guter Musik.

Am nächsten Morgen sehen wir über dem See vereinzelte Rauchschwaden. Es sieht aus, als ob aus dem See Rauch entweicht. Ich tippe erst auf Bohrplattformen, die Gas oder ähnliches verbrennen. Allerdings kann ich keine Plattform erkennen. Vielleicht gibt es eine Art heiße Quellen im See, die den Dampf erzeugen? Später erfahren wir, dass es sich bei den Rauchsäulen um Mückenschwärme handelt. Dabei vollziehen frisch geschlüpfte Büschelmücken eine Art Paarungstanz über der Wasseroberfläche. Nach der Paarung sinken sie dann zur Seeoberfläche und legen ihre Eier auf dem Wasser ab. Es muss sich dabei um Millionen von Mücken handeln, solche Rauchsäulen habe ich zuvor noch nirgends gesehen. Es ist ein interessantes Naturschauspiel.

Wir reisen weiter an den bekannten „Kande Beach“. Entlang des Sees fahren wir auf einer gut geteerten Straße mit wenigen Schlaglöchern gen Süden. Immer wieder kommt Regen auf und kurze aber heftige Schauer prasseln auf uns nieder. Der Strand zwischen Chinteche und Dwangwa ist dann wirklich beeindruckend. Wie am Meer finden wir feinste, weiße Sandstrände vor. Der Campingplatz ist auf große Overlandtrucks spezialisiert und somit gut eingerichtet. Lässige Hängematten baumeln direkt am Strand, eine Bar mit Kicker und Billiard und sogar eine Tischtennisplatte gibt es hier. Luka und ich machen sofort ein Match. Das haben wir seit Jahren nicht mehr gemacht. Nachts beginnt es dann wieder zu regnen. Regnen? Was schreibe ich? Es schüttet. Dieses Mal ist es noch heftiger als sonst. Selbst unter dem dichten Baum, unter dem wir uns befinden, prasselt der Regen nur so aufs Dachzelt. Innerhalb von Minuten fließen Sturzbäche unter dem Landrover hindurch. Gott sei Dank hatten wir alles im Auto verstaut. Dazu donnert und kracht es laut über uns. Starke Blitze, die den ganzen Himmel erleuchten, schlagen in der Nähe ein. Wenn man so ein Gewitter im Dachzelt verbringt, dann ist das eigentlich wie direkt unter freiem Himmel. Lediglich ein dünner Stoff schützt uns vor dem Regen und ich hoffe immer wieder, dass das Dachzelt Stand hält. Was es bis jetzt aber immer getan hat. Dieses mal hoffe ich allerdings auch, dass keiner dieser Blitze in unseren Baum einschlägt. Während des Gewitters fällt es mir schwer ein Auge zuzumachen. Somit beuge ich mich nach außen unters Vorzeit und beobachte die Sturzbäche unter unserem Auto und drücke immer von innen gegen die Zeltwände, so dass das Wasser abfließen kann. Nachdem das Gewitter beendet ist, kann ich entspannt einschlafen.

Auf unserer Fahrt Richtung Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, übernachten wir eine Nacht bei einer Töpferei direkt am See. Töpfern ist ein altes Handwerk in Malawi und es ist interessant den Arbeitern beim Töpfern zuzuschauen. Es werden Teller, Tassen, Schüsseln, Salz- und Pfefferstreuer und vieles andere bis hin zu Schachspielen in Handarbeit hergestellt. Mir gefällt die Arbeit so gut, dass ich eine Obstschale und zwei Tassen kaufe. Hoffentlich kommen die gut zu Hause an.

Ich denke wir erleben Malawi ein wenig anders als viele Reisende, die hierher kommen. Das liegt mitunter an dem starken Regen, der immer wieder überraschend auf uns niederprasselt und somit den klassischen Strandurlaub nahezu unmöglich macht. Aber es ist schön, Malawi aus dieser Perspektive zu sehen. Malawi ist saftig grün, die Menschen auf den Straßen laufen bei strömendem Regen pitschnass und barfuß kilometerweit. Wenn wir vorbeifahren winken sie uns unwahrscheinlich freundlich zu. Vor allem die Kinder rennen barfuß dem Wasser, das die Straße herunterläuft, hinterher oder springen mit strahlenden Augen in die tiefen Pfützen. Wir sehen viele Fahrradfahrer, die entlang der Straße durch den Regen fahren und wie auch schon in den Ländern zuvor, alles erdenkbare auf ihrem Gepäckträger transportieren. Es scheint, als mache der Regen den Menschen gar nichts aus oder als sei er gar nicht anwesend. Das Leben auf der Straße nimmt seinen geregelten Lauf.

In Lilongwe können wir wieder größere Besorgungen erledigen. Die Hauptstadt ist recht überschaubar und auch der Verkehr ist trotz kleinerer Staus angenehm. Da haben wir schon andere Großstädte gemeistert. Von hier aus reisen wir weiter an die Grenze zu Sambia, unserem nächsten Reiseland auf dem Weg nach Südafrika.

 

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